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In vielen Räumen der Weiterbildung und des Change-Managements begegnen Erwachsene einer höflichen Form des Verdachts. Sobald eine Bildungsveranstaltung oder ein Veränderungsprozess beginnt, erscheinen Teilnehmende rasch als Personen mit Entwicklungsbedarf. Sie sollen abgeholt, aktiviert oder für Neues geöffnet werden. Zögern gilt als Blockade, Nachfragen als Skepsis, Schweigen als Passivität, Erfahrung als Ballast.
„Eigentlich" setzt an dieser Stelle an. Manfred Hofferer beschreibt, wie erwachsene Personen in Bildungs- und Veränderungskontexten unter eine Defizitbrille geraten, obwohl sie längst kooperieren: Sie hören zu, nehmen Rücksicht, passen sich an, prüfen Zumutungen und halten soziale Räume bewohnbar. Was als Widerstand erscheint, ist häufig kein Trotz, sondern der Schutz der eigenen Mündigkeit gegenüber einer Sprache, die Hilfe verspricht und zugleich Abwertung transportiert.
Im Zentrum steht das unscheinbare Wort „Eigentlich". Es markiert keinen Mangel an Bereitschaft, sondern eine Schwelle: zwischen vorhandener Offenheit und einem Raum, der diese Offenheit zu früh vereinnahmt. Das Buch richtet den Blick auf die Reparaturlogik moderner Bildungs- und Veränderungskultur und fragt, was sichtbar wird, wenn Erwachsene nicht zuerst als schwierig gelten, sondern als Gegenüber mit Urteilskraft, Erfahrung und sozialer Verträglichkeit.
Eine essayistische, gesellschafts- und bildungskritische Lektüre für Personen, die Seminare leiten, Organisationen begleiten oder verstehen wollen, weshalb Lernen Würde braucht, bevor es Wirkung entfaltet.
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