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Es ist zunächst und allem Herkommen nach bedenklich, wenn die Soziologie ausgreift auf Nachbardisziplinen und wie aus heiterem Himmel Analysen startet, die sich mit dem, was man das Psychische nennt, auseinandersetzen, vor allem, wenn es nicht darum geht, soziale Konditionen psychischer Prozesse zu untersuchen, sondern etwas über das Psychische so zu sagen, daß es wie ein Forschungsgegenstand sui generis erscheint, als etwas, das eigentlich unverbrüchlich in den Einzugsbereich der Psychologie gehört und nun horribile dictu von einer systemtheoretisch inspirierten Soziologie vereinnahmt werden soll. Allerdings ist seit einiger Zeit das Bild einer klar gegliederten Landschaft von Disziplinen, die sich (und aus einst guten Gründen) gegeneinander strikt absetzen, ohnehin getrübt. Man spricht beispielsweise von Inter- und Transdisziplinarität und kann das wohl auch ungefährdet tun, da der Raum des Inter und des Trans als Zwischen- und Hinüberraum gedacht wird, der die Propria der Fächer, die ihn umstellen, nicht wesentlich berührt. Man gestattet sich zwar lizensierte (mitunter ausgesprochen modisch einherkommende) Übergriffe, aber bei alledem bleibt klar, wer für was genuin zuständig ist. Gefahr könnte nur ausgehen von Theorien, die auf der Basis schärfster Abstraktionen keine Disziplin halten können und Begriffe entwickeln, die nicht an die Residenzen der unterschiedlichen Wissenschaften gebunden sind. Diese Bindungslosigkeit wäre dann nicht der Effekt frei vagabundierender Intellektualität, die sich den Nektar, den sie benötigt, von den verschiedensten Blumen besorgt und mit Mischhonig hausieren geht, sondern das Ergebnis strengster Begriffsbildung selbst. Genau das ist der Fall mit der neueren soziologischen Systemtheorie.
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