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In seinem Buch Komplizen des Erkennungsdienstes geht es Andreas Bernard um das Selbst in der digitalen Kultur. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass auffallig viele Verfahren der Selbstprasentation und Selbsterkenntnis in der digitalen Kultur auf Methoden zuruckgehen, die in der Kriminologie, Psychologie und Psychiatrie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts erdacht wurden: Das Format des Profils, in den Sozialen Netzwerken heute unbestrittener Ort der Selbstdarstellung, entstand als psychiatrisches Profil von Internierten oder als Taterprofil von Serienmordern. Die Selbstortung auf dem Smartphone, ohne die kein Pokemon-Go-Spiel und keine Registrierung bei Uber, Yelp oder Lieferando moglich ware, nutzt eine Technologie, die bis vor zehn Jahren hauptsachlich im Zusammenhang mit der elektronischen Fufessel bekannt war. Und die Vermessungen der Quantified Self-Bewegung zeichnen Korperstrome auf, die einst die Entwicklung des Lugendetektors voranbrachten. Andreas Bernard fordert die wissensgeschichtlichen Zusammenhange zutage und geht der irritierenden Frage nach, warum Gerate und Verfahren, die bis vor kurzem Verbrecher und Wahnsinnige dingfest machen sollten, heute als Vehikel der Selbstermachtigung gelten.